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Welche Auswirkungen hat Social Media Recruitment auf professionelle Personalberatungen?

Bericht im Zuge unserer Partnerschaft mit CSA

09. Januar 2017 - Stuttgart, Deutschland

Konventionelle Rekrutierungsmethoden haben in der Vergangenheit gute Dienste geleistet, um Unternehmen die personellen Mittel zu liefern, die sie zum Erreichen ihrer Unternehmensziele benötigen. Doch das Berufsleben spielt sich zunehmend in den Social Media ab. Inzwischen werden Social Media von Unternehmen und Personalberatungen intensiv genutzt, um ihre Marken zu bewerben und neue Talente zu gewinnen.

Genutzt werden hierfür unter anderem Social Media Portale wie LinkedIn, Xing und Experteer. Laut einer Adecco-Studie aus dem Jahr 2014 nutzen 5 von 10 Bewerbern Social Media zur Jobsuche und 7 von 10 Personalverantwortlichen verwenden Social Media für ihre tägliche Personalarbeit.

Unternehmen und Personalberatungen müssen dort sein, wo die Bewerber sind, um sie in den Einstellungsprozess einzubinden. Eine Kontaktaufnahme mit Bewerbern über Social Media kann schnell, effizient und kostengünstig erfolgen. Sich ausschließlich auf diese Methode zu verlassen geht jedoch zulasten der persönlichen Komponente beim Aufbau einer Mitarbeiterbeziehung und der Identifikation von Kandidaten. Es ist daher unwahrscheinlich, dass diese Methode die konventionellen Rekrutierungsmethoden in naher Zukunft vollständig ersetzt.

Eine Kontaktaufnahme mit Bewerbern über Social Media kann schnell, effizient und kostengünstig erfolgen.

Wenn Unternehmen in der Vergangenheit neue Mitarbeiter gewinnen wollten, veröffentlichten sie einfach eine Stellenanzeige in der lokalen Presse, beauftragten einen professionellen Personalberater oder, in der jüngeren Vergangenheit, schrieben die Stelle online auf der Unternehmenswebseite oder bekannten Stellenportalen aus. Diese passiven Rekrutierungsmethoden werden in Zukunft nicht mehr aktiv eingesetzt werden. Heutzutage haben Personalmanager und Personalberater die Erfahrung gemacht, dass sie verstärkt die Initiative ergreifen müssen, wenn es darum geht, mit Talenten über eine Vielzahl von Social Networking-Plattformen in Verbindung zu treten. Im Wesentlichen müssen Unternehmen und professionelle Personalberater dort sein, wo die Bewerber sind, um sie in den Einstellungsprozess einzubinden.

Moderne Rekrutierungsmethoden sind proaktiv. Einige Quellen berichten über eine massive Zunahme der auf Social Media Seiten verbrachten Zeit. Über die Hälfte der Stellensuchenden in Großbritannien nutzen Social Media Seiten zur Jobsuche, darunter auch Facebook und LinkedIn.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist in diesem Fall die Art und Weise, in der professionelle Personalberater mit Kandidaten in Kontakt treten und die Vertrauensbasis, die sie in diesem digitalen Umfeld aufbauen können.

Eine andere Frage, die sich in diesem Kontext stellt, ist: Wenn all diese Kandidaten online sind und nur darauf warten, angesprochen zu werden, warum müssen Unternehmen dann noch einen professionellen Personalberater beauftragen, um sie zu finden? Die Bewerberdatenbank wird im Prinzip öffentlich, was einige zu dem Schluss verleitet, dass der Personalvermittler überflüssig wird.

Obwohl Behauptungen aufgestellt wurden, dass die Nutzung von Social Networks den traditionellen Lebenslauf ablösen könnte, wird Kandidaten und Mitarbeitern dennoch ständig geraten, die Informationen, die sie online stellen, sorgfältig auszuwählen. Online-Profile vermitteln nicht notwendigerweise ein zutreffendes Bild von der entsprechenden Person. Sowohl die Kandidaten als auch die Arbeitgeber müssen den Inhalt von Online-Profilen mit Vorsicht genießen. Eine persönliche Kommunikation ist immer notwendig, um die Lücken zu schließen. Die Vertretung durch einen professionellen Personalberater kann den Kandidaten Sicherheit vermitteln und ihre Bereitschaft erhöhen, in einem vertraulichen Austausch relevante Informationen preiszugeben.

Der Arbeitgeber vertritt eine andere Perspektive. Nicht alle Angestellten suchen aktiv nach einer neuen Aufgabe - und gerade diese sind oft die gefragtesten Kandidaten. Die Arbeitgeber sind sich dessen bewusst und drängen die Angestellten aus diesem Grund dazu, sich online nicht zu wirksam zu präsentieren, da dies zu einer übermäßig hohen Anzahl von Kontaktaufnahmen führen kann. Außerdem wird hier die Bedeutung der Kandidatenempfehlung für den Einstellungsprozess außer Acht gelassen. Die Zeit, die investiert werden muss, um gute Resultate zu erzielen, verursacht darüber hinaus versteckte Kosten.

Trotz allen Möglichkeiten, die Social Media bieten, steht immer noch der Aufbau von echten, persönlichen Beziehungen im Mittelpunkt.

Trotz allen Möglichkeiten, die Social Media bieten, steht immer noch der Aufbau von echten, persönlichen Beziehungen im Mittelpunkt. Die Beziehung zwischen Personalberatern und Geschäftsführen ist jedoch nicht länger nur auf diese zwei Parteien beschränkt. Das Aufkommen der Social Media hat zu einer Demokratisierung beruflicher Beziehungen geführt. Vielfach wird argumentiert, dass Personalberatungen einen tatsächlichen Mehrwert bieten müssen, um ihr Überleben zu sichern.

Dem Personalberater kommt deshalb eine Schlüsselrolle zu. Ein Mehrwert kann geschaffen werden, indem man Expertenwissen in der Nutzung von Social Media zur Identifizierung geeigneter Kandidaten erwirbt. Dies kann erreicht werden, indem man über eine einfache Datenbanksuche hinausgeht, Suchstrategien über eine Vielzahl von verschiedenen interaktiven Plattformen entwickelt (Blogs, Webinare und soziale Netzwerke) und mit den gewünschten Kandidaten entsprechend in Kontakt tritt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden in Zukunft konventionelle Rekrutierungsmethoden durch Methoden auf Basis moderner Technologien ergänzt werden. Letztendlich wird jedoch der Erfolg an der Qualität der Shortlist gemessen. Dies gelingt nur mit Hilfe eines fundierten Identifizierungs-, Verhandlungs- und Auswahlprozesses.

Durch die Weiterentwicklung und Ausbreitung von Social Media-Techniken eröffnen sich der Personalberatungsbranche im kommenden Jahrzehnt spannende Möglichkeiten. Neuere Untersuchungen (Jobvite) haben ergeben, dass LinkedIn, Twitter und Facebook bei Personalverantwortlichen zu den beliebtesten Seiten zählen. Andere nennen in diesem Zusammenhang auch Xing und Experteer. Diese Plattformen können in der Regel auf dreierlei Weise genutzt werden: zur Kandidatensuche, zur Stellenausschreibung und zum Employer Branding.

Dieses Phänomen wurde durch die breite Nutzung von Smartphones extrem beschleunigt. 2016 waren weltweit 2 Milliarden Smartphones im Einsatz, 2020 werden es voraussichtlich bereits 3 Milliarden sein (www.statista.com). Personalberater suchen bereits nach Möglichkeiten, ihre Dienstleistungen für die mobile Anwendung verfügbar zu machen, zum Beispiel durch die Entwicklung spezieller Apps oder die Nutzung beliebter standortbezogener Dienste wie Foursquare als zusätzliche Rekrutierungsinstrumente: zur Ausschreibung von Stellen und zur Einholung von Empfehlungen über ein spezifisches Standortnetzwerk.

Niemand verfolgt die Social Media so aufmerksam und befasst sich damit so intensiv wie ein Personalberater - die Vorteile liegen auf der Hand

Niemand verfolgt die Social Media so aufmerksam und befasst sich damit so intensiv wie ein Personalberater - die Vorteile liegen auf der Hand. Statt Social Media als eine Lösung zur Personalbeschaffung zu begreifen, die den Personalberater überflüssig macht, erkennen die Arbeitgeber zunehmend, dass sie enger mit den Experten zusammenarbeiten müssen, um ihre Einstellungen gleich beim ersten Versuch erfolgreich abschließen zu können, statt den Fehler zu begehen, viel Zeit und Mühe in Social Media zu investieren, ohne daraus letztendlich einen Nutzen zu ziehen.

Es ist unwahrscheinlich, dass Social Media in naher Zukunft die konventionellen Rekrutierungsmethoden ablösen. Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Personalberatungen und Executive Search Firmen werden von Social Media profitieren, da sie dadurch schneller agieren und ihre Suche auf Basis von weitaus zuverlässigeren Informationen durchführen können.
  • Trotzdem werden Social Media Personalberatungen und Executive Search Firmen niemals ersetzen können.
  • Personalberatungen und Executive Search Firmen werden sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und diese verbessern müssen, um einen Mehrwert im Einstellungsprozess zu bieten.

Nur Personalberatungen und Executive Search Firmen, die in der Lage sind, einen solchen Mehrwert zu bieten, werden sich im Kampf um die Talente behaupten können. Social Media sind nur eines der Instrumente, die im nächsten Jahrzehnt zu diesem Zweck eingesetzt werden können.

Verfasst von Dr. Peter Dienst
Januar 2017

Leitender Geschäftsführer, IT-Personalberatung Dr. Dienst & Wenzel GmbH & Co. KG